Die Arbeit von morgen – Soziale Berufe im Wandel

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Mehr Reflexion & Kooperation – Die Arbeit von Morgen

In der öffentlichen Diskussion geht es bei der Verbesserung der Arbeitswelt meist um eine bessere Bezahlung. Die Arbeit von Morgen sollte sich aber nicht nur durch diesen einen Punkt definieren. Vielmehr ist ein ganzes Bündel an Verbesserungen notwendig. Besonders im sozialen Berufsbereich ist meiner Meinung nach eine Zeitenwende dringend notwendig. Meine Punkte der Verbesserung möchte ich Ihnen in meinem Artikel näherbringen.

Nicht nur das System ist Schuld – Ich bin ein Teil dieses Systems

Es ist menschlich sich zu beklagen, über Dinge und Begebenheiten die scheinbar im Außen liegen. Da ist der Abteilungsleiter der einen mit viel zu viel Arbeit zudeckt. Von der Kollegin, die mich heute wieder schief angesehen hat möchte ich lieber gar nicht reden. Der Tag ist nach wenigen Momenten für Sie innerlich beendet? Sie kennen das und fühlen sich bereits an dieser Stelle des Textes ungerecht behandelt? Ich freue mich trotzdem, wenn sie weiter lesen! Es hat alles viel mit uns selber zu tun! Diese Dynamik ist so groß, dass ich es selber oft noch nicht fassen kann. Wenn ich von mir spreche ist es oft so, dass sich meine Gedankenwelt in großen Teilen im Außen zeigt: ab und zu Chaos und interessante Situationen. Wer kennt das nicht? Menschlich!

Wie im Mikrokosmos so im Makrokosmos sagte Paracelsus schon sinngemäß. Die Arbeitswelt dort draußen ist ein Abbild meiner Gedanken und ich sende tagtäglich tausende Signale meiner zum Teil verzerrten Wahrnehmung. Achtung! Ich möchte das nicht verurteilen, wenn ich das tue, befinde ich mich bereits im nächsten Teufelskreis. Manchmal gelingt es mir befriedet und voll wohl wollen auf meine Arbeitseinstellung mit all seinen Problemen zu blicken. Dann entdecke ich, dass auch ich an einigen Prozessen beteiligt bin die mir so überhaupt nicht passen. Und dann versuche ich einen Schritt zurückzugehen, manches entspannt sich, die Welt um mich herum auch!

Ich halte dieses Vorgehen nicht nur für eine Gabe! Reflexion und wohlwollendes Betrachten auf die eigene Person hat meiner Ansicht nach auch etwas mit Training zu tun. Besonders in einem Berufsbereich, nämlich dem des Erziehers, wird die Selbstreflexion bei der Ausbildung ganz besonders in den Vordergrund gehoben. Besonders in diesem Bereich wird sie aber paradoxerweise sehr wenig gelebt! Grund für manche Eskalation und manchen Konflikt. Ich selber befinde mich am Anfang dieses Prozesses, aber ich bleibe dran. Bereits nach wenigen Monaten hat sich gezeigt, ich habe ganz entscheidend etwas mit meiner aktuellen Situation zu tun…Wer hätte das gedacht!?

Mehr Hirn bitte – Die Gedanken Gerald Hüthers

Ich bin immer wieder erstaunt, wie unglaublich beratungsresistent wir Pädagogen doch sind! Es scheint ein Angriff auf die eigene Person zu sein, wenn man neue Vorschläge einbringt oder sich mit einer Situation nicht zufriedengibt. Ich glaube nicht daran, dass der vorher beschriebene Punkt absolute Gültigkeit hat, sondern wie immer im Leben spielen mehrere Punkte eine Rolle. So wie ich mich selber immer wieder beobachten darf, darf ich natürlich auch im Außen kritisieren, diskutieren und am Ganzen teilnehmen.

Hüther hat meiner Ansicht nach Recht. Er beschreibt in seinem Buch „Etwas mehr Hirn, bitte“ dass wir miteinander kooperieren sollten, Netzwerke bilden und uns austauschen und vor allem: Den Kollegen nicht als Konkurrent, sondern die Ideen seines Hirns mit den Ideen unseres Hirns zusammen bringen könnten. Ich nenne das gerne wohlwollende Hirnkooperation. Was denken Sie was geschehen würde, wenn in einem Kindergarten in dem es schon seit Jahren massive innerliche Konflikte gibt, wenn also in diesem Kindergarten eine wohlwollende Hirnkooperation fortschreiten würde?

Nun arbeiten in einer mittelgroßen Einrichtung gerne mal 10 bis 15 Kollegen, nicht auszudenken was 15 Hirne alles zum Wohl des Kindes erreichen könnten. Ich meine damit keine Projektarbeiten, um Gottes willen! Die Einrichtungen im Elementarbereich sind zugeschüttet mit Projekten und vermitteln oft den Eindruck einer Schule und nicht eines Kindergartens. Nein, ich meine das sich aufeinander beziehen, das Entwickeln von neuen Strukturen in der Einrichtung, der Umgang miteinander und das Entwickeln von Visionen. Hier soll es erstmals erfrischend unkonkret bleiben.

Das ist unglaublich spannend und wird positive Auswirkungen auf die gesamte Einrichtung haben. Wir brauchen Träger von Einrichtungen die nicht jedem toll aufbereiteten Projekt hinterherlaufen, sondern Menschen innerhalb dieser Träger die das Wissen über Netzwerk, Kooperation und echtem Teamwork in die Einrichtung hinein tragen. Wir brauchen Menschen die das Feuer wecken und uns auf unser eigenes Potenzial stoßen und nicht nur verwalten und organisieren. Mehr Hirn bitte! Mehr kooperatives Hirn!

In bin ein Fan von geschlechtsgemischten Teams in den sozialen Einrichtungen

Egal ob in Krankenhäusern, Kindergärten oder anderen sozialen Einrichtungen: Das Soziale scheint
immer noch weiblich dominiert zu sein. In Hamburg und zum Teil in den neuen Ländern haben die
Anwerbungsprogramme für männliche Erzieher glücklicherweise ein wenig Fuß gefasst. Bayern
dümpelt der Entwicklung immer noch hinterher, wenn gleich es Inseln mit einem erhöhtem Männeranteil
inzwischen auch in Bayern gibt.

Mantrenartig schreibe ich immer wieder, dass ich nicht das weibliche sozial Geschehen infrage stellen
möchte, sondern wie im realen Leben auch. Die Welt besteht ungefähr 50/50 aus Männern und Frauen.
Gerade im sozialen Bereich, ganz besonders auch in Kindergärten, sollte diese Realität natürlich
abgebildet werden. Es wird Sie nicht erstaunen, dass geschlechtsgemischte Teams weniger konfliktbelastet
sind. Ich meine damit nicht ein Mann und 15 Frauen, sondern mindestens drei bis vier Männer. Das schafft eine größere Ausgewogenheit.

Gefühl und Strategie kommen zusammen und auch hier können das weibliche und männliche Hirn kooperieren und sehr viel voneinander lernen. Die ein oder andere wird das nicht gerne lesen, schon klar! Aber auf welchem Steinzeit Niveau bewegen wir uns eigentlich? Statt dieses ganz andere Universum (der Mann oder die Frau) als Bereicherung zu erleben, driften wir ab in den Kleinkrieg. Was könnten wir nur alles schaffen..?

Das Geld ist zu wenig, keine Frage

Bewusst setze ich den Aspekt des Geldes an die letzte Stelle! Natürlich ist dieser Punkt wichtig! Spätestens
bei der Anwerbung männlicher Erzieher würden diese sagen: „Ja mit diesem Gehalt kann ich keine Familie
ernähren!“ Stimmt meiner Meinung nach bedingt. Trotzdem, welche Position man(n) auch immer haben möge:Die Entlohnung eines Erziehers, einer Altenpflegerin, eines Gesundheitspflegers entspricht meiner Meinung nach bei Weitem nicht dem, was geleistet werden muss. So zeigt sich auch nach Verbesserungen in der Pflege immer noch ein extremes Ungleichgewicht zwischen beispielsweise Berufen in der Industrie und Berufen im Sozialen. Da schwingt teilweise eine Art von Respektlosigkeit mit. Soziale Arbeiter tragen ein gehöriges Maß an Energie mit in die Arbeit hinein und bekommen im Gegenzug wenig Energie – in Form von Geld – wieder heraus. Das muss immer wieder ins Bewusstsein gebracht werden..

Meine Vision und weitere Artikel zum Thema

Meine Vision von einer besseren sozialen Arbeitswelt ist natürlich auch auf andere Berufsbereiche übertragbar. Sie beinhaltet eine verbesserte Selbstreflexion, eine größere Nähe zu Kooperation und Teamarbeit sowie eine vermehrte Integration geschlechtsgemischter Teams und natürlich eine bessere Bezahlung. Im zweiten Teil meines Artikels möchte ich die Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der Wahrnehmung sozialer Tätigkeiten in der Gesellschaft näher beleuchten.

Zum Schluss: Liebe Erzieher, Gesundheitspfleger, Lehrer und Sozialpädagogen: Ich freue mich über eine größere Wertschätzung der Gedanken: Was kann ich tun und an mir verbessern? Wie können wir uns besser vernetzen und austauschen und Synergien nutzen? An die Träger der Einrichtungen habe ich den
Wunsch: Achtet vermehrt auf die Team Zusammensetzung und entlohnt leistungsgerecht! Tragt das Feuer für diese wundervolle Arbeit zu Euren Mitarbeitern.

oliver74

Servus! Herzlich Willkommen bei den erziehenden Mannsbildern! Der Blog über Männerthemen, Erziehung und Vaterschaft. Schaut rein und seht Euch um. Freue mich über Kontakt und Austausch. Euer Oliver

1 Response

  1. Februar 27, 2018

    […] gute Führungsqualitäten […]

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