„Vater sein“ in institutioneller und familiärer Form

Vater sein als Erzieher?

Vater sein

Von männlichen Erziehern und Vätern

Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Vater sein

Seit Längerem mache ich mir Gedanken zum Thema Vater sein. Ich höre oft die Aussage: „Jetzt bist Du 42 und hast immer noch keine Kinder, jetzt wird’s aber Zeit!“ Da ich Kinder über alles liebe macht mir dieser Gedanke manchmal Stress! Das ist das Männchen auf der linken Seite meiner Schulter. Das Männchen auf der rechten hingegen ist um Relativierung bemüht. Es analysiert die Lage genau und wird nicht müde die angenehmen Seiten des Paar Lebens ohne Kinder in den Himmel zu heben. Das bin ich! Einfach unschlüssig und tatsächlich auch froh die Verantwortung der Vaterschaft nicht tragen zu müssen.

Momentan trage ich die Verantwortung in einer anderen Form. Ich war und bin in sozialen Einrichtungen für Kleinstkinder, Kinder und Jugendliche sowie mehrfach Schwerstbehinderte tätig. Irgendwie fühle ich mich dann doch als Papa. Das Thema Vater sein ohne biologische Bedeutung spielt also täglich eine gewisse Rolle, wenn auch in einer anderen Form. Vor einigen Wochen wurde ich dann noch auf den Blog Ich bin Dein Vater aufmerksam. Das zentrale Thema dieses tollen Blogs ist natürlich das Thema Papa sein.

Die Inhalte meines eigenen Blogs kreisen um ähnliche Themengebiete. Die Bewältigung des Erzieher Daseins spielt in meinen Ausführungen ebenso eine Rolle wie die Sorgen, Nöte und Freuden von Papas. Doch was sind eigentlich Gemeinsamkeiten von Vätern und männlichen Erziehern? Was die Unterschiede?

Vater sein auf Zeit – Am Abend mache ich die Türe hinter mir zu

Einer meiner Freunde ist Vater von zwei Kindern. Ich bewundere ihn wirklich sehr. Wenn es sein Job zulässt, ist er Tag und Nacht für seine Kinder da. Er geht mit Ihnen schwimmen, erzählt Geschichten, macht Wanderungen in der Natur und man höre und staune: Er beteiligt sich nicht unwesentlich am Haushalt! Ein im wahrsten Sinn des Wortes präsenter Papa. Das klingt für mich wunderbar, andererseits sehe ich auch seine Belastungen. Scheinbar findet er kaum Raum für eine Auszeit. Es gibt kaum Pausen in denen er sich regenerieren könnte.

Die Dynamik der Familie endet nicht um 17.00 nach Dienstschluss. Es geht weiter, Stunde für Stunde und Tag für Tag. Als Erzieher habe ich nach Dienstschluss auch wirklich Schluss. Wenn gleich mir das Abschalten nicht sofort gelingt, die Ruhe und Entspannung nach Beendigung des Dienstes zieht trotzdem ein. Seit jeher bin ich um die Integration der sogenannten Work – Life Balance bemüht. Ich brauche für mich eine strukturierte Aufteilung, das tut mir gut. Zugegeben, das klingt vielleicht sehr nüchtern und praktisch. Ich bin aber ehrlich: Mein Feierabend ist mir heilig!

Meine Bewunderung für Vollzeit Papas – Vater sein kompromisslos!

An dieser Stelle verspüre ich Bewunderung für biologische Väter welche Beruf, Familie und Partnerschaft gut miteinander vereinen können. Für mich ist das eine echte Lebenskunst und das eigentlich Erstrebenswerte. Am Ende Frage ich mich oft, ob meine Tätigkeit eine Art „Vaterschaft light“ ist? Ich picke mir die Rosinen aus dem Kuchen und genieße die Vorzüge. So zeigt sich meine Unschlüssigkeit bezüglich Kinder gleich an dieser Stelle!

Vater sein oder Erzieher werden – Von der anderen Art der Beziehung

Natürlich ist der Schauplatz des Erziehers ein anderer als der des Vaters. Väter haben eine ganz andere emotionale Bindung an Ihre Kinder. Sie sind das „eigen Fleisch und Blut“. Das klingt vielleicht etwas antiquiert, beschreibt aber doch das Wesentliche. Ein Kind welches aus Liebe entstanden ist und in der Familie groß gezogen wird beschreibt eine andere Dynamik als ein Kind welches mir als Dritter anvertraut wurde. Der Familiengedanke bezieht sich auf das von innen Kommende, mir nahe Gehende, zu Behütende und Beschützende. Ein zu beschützender Innenkreis. Als Erzieher bewege ich mich in einem äußeren Kreis welcher die Familie berührt. Es kommt ein Angebot hinzu.

Das macht die Sache nicht immer einfach und beschreibt ganz automatisch die Schwierigkeit des institutionalisierten Papas. Andererseits bietet sich an dieser Stelle die Chance als Erzieher auch ein Stück weit Papaersatz zu sein. Auch wenn dieser Gedanke etwas verklärt erscheint und die eigene Trauer über das nicht Papa sein kompensiert werden könnte: Für Kinder ist der Mangel an präsenten Papas in der Familie negativ weitreichend. Ein männlicher Erzieher kann in diesem Bereich wertvolle Dienste leisten. Er muss aber sehr behutsam mit dieser Erkenntnis umgehen. So kommen sich an dieser Stelle Erzieher und Väter in Familien in Ihrer eigentlich doch so unterschiedlichen Qualität sehr nahe.

Pädagogischer Hintergrund mit definierten Zielen – Die Erzieher Tätigkeit

Jede Einrichtung im Elementarbereich verfolgt definierte pädagogische Ziele. Natürlich haben auch Eltern Ziele die sie mit ihrem Kind erreichen möchten, jedoch unterscheiden sie sich von elterlich gesteckten Vorgehensweisen. In der Einrichtung geht es nach z. B. dem Bayerischen Kindergarten- und Erziehungsplan um:

  • Basiskompetenzen (Personelle Kompetenzen, Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext, Lernmethodischen Kompetenzen,… )
  • Themenübergreifende Bildungs- und Erziehungsperspektiven (Übergänge, Kinder verschiedenen Alters und Geschlechts,…)
  • Themenbezogene Bildungs- und Erziehungsbereiche (Werteorientierung, Religiosität, Sprache, Bewegung, Sport, Gesundheit..)
  • Schlüsselprozesse

Das sind vielleicht andere Begrifflichkeiten für Inhalte die auch eine Familie eines z. B. fünfjährigen Kindes erreichen möchte, doch ein Unterschied ergibt sich: In der Familie wird die Grundlage für erste feste und positive Bindungserfahrung gelegt. Das Grundvertrauen in menschliche Beziehung entwickelt sich und ein geschützter Raum entsteht. Mama ist in den ersten Jahren besonders wichtig.

Im Kindergarten geht es um die Gemeinschaft, ein erstes Hinausgehen in die Welt und eine erste Trennung von der Familie, bzw. von Mama. Papa wird an dieser Stelle immer wichtiger! Das sind zwei unterschiedliche Qualitäten die Aufeinander aufbauen können. Der normale Weg des Lebens. Vom Kleinen zum Großen. Von der Familie in die Gemeinschaft. Ein bißchen weniger Mama und etwas mehr Papa. 

Zudem hat sich der Kindergarten in den letzten Jahrzehnten von der reinen Aufbewahrungsstätte zur Bildungseinrichtung gemausert. Auch da ergibt sich ein Unterschied zur Familie. Der Background eines Papas ist somit auch in diesem Bereich ein ganz anderer als der eines Erziehers innerhalb einer Einrichtung.

Vater sein und Erzieher werden – Brüder im Geiste

Viele Unterschiede wurden beschrieben. Aber, es gibt auch Ähnlichkeiten. Gleiche Inhalte die Übergeordnet erscheinen. Der Begriff des institutionalisierten Vaters, den ich erstmals bei den Ausführungen von Aigner und Rohrmann im Bericht Elementar – Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern gelesen hatte spricht mich trotz seiner offensichtlichen Sperrigkeit im Ausdruck sehr an. Im Umgang mit den Kindern geht es um das Vorbild. Wir sollten als Männer vorleben was wir als richtig erachten, für was wir stehen und was wir erreichen möchten. Authentisch! Das geschieht sowohl als Papa als auch als Erzieher. Es geht auch um Begeisterung.

Dünger fürs Hirn – Begeisterung Vater zu sein

Gerald Hüther spricht sinngemäß immer wieder vom Begeisterungsdünger für das kindliche Gehirn. Egal ob als Erzieher oder Vater, wir wenden uns dem Kind zu, teilen und fördern diese Begeisterungseinheiten. Auf diese Weise findet Lernen im Kindergarten und in der Familie statt.

Lange Begleitung – postiv gelebte Beziehungen

Auch als Erzieher begleitet man Kinder unter Umständen fünf Jahre oder länger. Das auch hier eine gefestigte emotionale Bindung entstehen kann liegt auf der Hand.

Vater sein bedeutet Liebe zeigen

Zu guter Letzt: Es geht um Liebe und Hinwendung zum kleinen Erdenbürger der Schutz und Orientierung benötigt. Das tun beide; Väter und Erzieher. Vermutlich gibt es noch viele weitere Punkte die aufzuführen wären. Letztendlich bin ich bisher „nur“ auf der beruflichen Seite zu finden.
Still und leise beschleicht mich im Zusammensein mit den Kindern doch ein Gefühl von Vatersein!  Ob das jetzt total professionell ist weiß ich nicht? Es ist halt so. Ob ich selber Vater werden will? Keine Ahnung ich bin so herrlich unentschlossen..

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